The V Thing

Es sorgt manchmal für eine leichte Irritation, oder Konfusion, oder Neugier, oder ein gewisses Desinteresse, dass sich da einer mit V schreibt. Daher eine kurze Klar- und Instandstellung.

Christov war natürlich einmal ein Christoph. Und für das Steueramt, die Passaustellbehörde und seine Eltern ist er das auch heute noch.

Aber wie das manchmal so ist mit siebzehn Jahren: Man ist ein bisschen schwammig konturiert in seiner Identität, fragt sich vielleicht, wer man ist und was man sein könnte, und dann erst die ganze Sache mit der Abgrenzung, ach! - Sie kennen das bestimmt. Die einen probieren dann vielleicht ein verbotenes Kraut, oder sie hören möglichst laut Musik, oder sie machen grad extra nicht das, worum man sie bittet, oder sie kaufen sich experimentelle Kleidung, oder sie möchten lieber Jonathan Baptiste Theodor heissen statt Thomas oder Stefan.

Das alles aber war Rolla zu anstrengend. Er ging daher den Weg nicht einmal des geringsten Widerstandes, sondern des geringsten Aufwandes und setzte eines schönen Morgens statt des good ol' Christoph ein sattschwarzes, selbstbewusstes Krzysztov unter eine Prüfung. Peng! Da knallten die Buchstaben, da zischten die Konsonanten, da hatte der unauffällige Jungspund endlich einen vitalen Künstlernamen, und vor allem konnten da die Namenskonkurrenten Blocher und Mörgeli aber so etwas von einpacken! Pengpeng!

Irgendwann allerdings dämmerte es Rolla, dass man für das relativ eckenreiche Krzysztov auch relativ lange braucht, bis man es aufs Papier gesetzt hat (und dass man es überdies im Polnischen ein nicht unwichtiges Bisschen anders ausspricht als auf deutsch). Es folgte daher bald einmal die Vereinfachung zu Kriztov, hernach zu Kristov und endlich zu Christov. Und dabei ist es dann geblieben, bis auf den heutigen Tag. Schliesslich ist ja jede jugendliche Rebellion, und sei sie noch so faul, einmal erschöpft.

Falls Sie Rolla also eine Freude bereiten möchen, schreiben Sie doch Christov. Christoph geht selbstverständlich auch. Wenn's sein muss, sogar Chregi oder Chregu oder Chrigel oder Chrösch oder Stöfi. (Aber bitte, bitte, bitte nicht Christof. Da muss ich streng sein. Nichts gegen die vielen netten Leute, die Christof heissen, aber für Rolla ist die ph-oder-f-Geschichte ein ebenso identitätsstiftendes Merkmal wie die Tatsache, ob man ein Pelikan-Kind oder ein Geha-Kind ist. Oder ob man aus einer Heliomalt- oder einer Ovomaltine-Familie kommt. Das steckt dermassen tief in ihm drin, dass es es vorkommen kann, dass er einen mit "Christof Rolla" adressierten Brief nicht öffnet. Weil er nicht merkt, dass er damit gemeint ist.)

So, fertig jetzt mit dem Zeugs.

Mit freundlichen Grüssen, Ihr ausschweifender und ergebener

Christophon Luegisland Rolla

Heliomaltplatz 35
63042 Adidas
Pelikan West

(Nachbemerkung: Es erleichtert das Leben schon sehr, wenn man die Welt in Heliomalt-Kinder und Ovomaltine-Kinder einteilen kann, ohne auch nur im Geringsten wahrhaben zu wollen, dass es daneben auch noch Suchard-Express-Schnösel und Nesquick-Gören gibt. Mindestens.)

(Nachbemerkung II: Manchmal fällt die Frage, ob man es jetzt, Jahre später, nicht ein wenig doof findet, noch immer mit der aus einem rein pubertären Künstlernamenspleen heraus entstandenen Schreibweise herumlaufen zu müssen. - Doch. Manchmal.)